"Palmbaum - Literarisches Journal aus Thüringen"


Palmbaum - literarisches Journal
aus Thüringen Heft 2/2017
Titelthema "400 Jahre
Fruchtbringende Gesellschaft"

Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift
erscheint im Oktober 2017.

Die Zeitschrift wird gemeinsam vom
Thüringer Literaturrat e.V. und der
Thüringischen Literarhistorischen
Gesellschaft Palmbaum e.V. herausgegeben.


Editorial

Dies ist das erste von zwei aufeinander folgenden Jubiläumsheften: Am 24. August 1617, vor 400 Jahren, wurde in Weimar die Fruchtbringende Gesellschaft gegründet, die erste deutsche Literaturvereinigung. Als Palmenorden, der sich die vielfach nutzbare Palme zum Erkennungs­zeichen gewählt hatte, waren die Fruchtbringer auch das Vorbild für die Gründung der Literarhistorischen Gesellschaft Palmbaum und ihrer gleichnamigen Zeitschrift, die seit 1993 erscheint. Das nunmehr 65. Heft schließt den 25. Jahrgang ab, weshalb wir im nächsten Frühjahr denn auch Geburtstag feiern werden.

Das vorliegende Heft haben wir zunächst den Fruchtbringern gewidmet. Von heute aus gesehen mutet es geradezu utopisch an, dass vor 400 Jahren, am Vorabend des 30-jährigen Krieges, protestantische Fürsten ausgerechnet die Förderung der deutschen Sprache und Literatur quasi zum Regierungsprogramm erhoben! Beiträge u.a. von Christoph Schmitz-Scholemann und Uwe Pörksen erinnern an die Spracharbeit im Barock, Jens-F. Dwars zeigt, wie Heiner Müllers Stück »Die Umsiedlerin« Sprachlosigkeit in der DDR unterlief, Nancy Hünger bedenkt das Schweigen als Urgrund alles Sprechens und Ingo von Münch warnt vor den Gefahren der »Political Correctness«. Zugleich fragt das Heft, inwiefern Schriftsteller heute Literaturverbände brauchen – vom VS, über regionale Vereine bis hin zum P.E.N.

Neue Lyrik bringen wir u.a. von Friedrike Haerter, Ullrich Kersten und Wilhelm Bartsch, neue Prosa von Bernd Leistner und Lutz Rathenow. Außerdem erstveröffentlichen wir eine Weihnachtserzählung aus dem Nachlass von Gabriele Reuter. Indem wir die Transkription der Handschrift drucken, erhalten die Leser auch exemplarisch Einblicke in die Werkstatt der Autorin und können an Streichungen und Hinzufügungen verfolgen, wie der Text entstanden ist.

Neben der Weimarer Lyriknacht dokumentieren wir zwei Preisverleihungen: Wir bringen die Dankrede von Christoph Dieckmann zum Caroline-Schlegel-Preis für Essayistik der Stadt Jena sowie Laudatio und Dank des Preisträgers zur Verleihung des Thüringer Literaturpreises an Lutz Seiler. Wir verfolgen die Spuren Eugen Diederichs und eines Erfurters, der vor 100 Jahren Korea erkundet hat. Wir befragen einen Wiederentdecker von Goethes Großvater aus dem thüringischen Kannawurf (!) und führen ein Gespräch mit Ulrike Theusner, die uns die Einbandgrafiken geschaffen hat. Und wir laden Sie ein, sich auf sage und schreibe 45 Seiten neue Literatur empfehlen zu lassen. Vergessen Sie nicht: Weihnachten steht vor der Tür ...! Jens-F. Dwars