Wilhelm Bartsch
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Goldene Winkel und Auen – bergblauer Dunst
Helle klare Massen windspielender Kunst
Lößwind zieht Feinstseide hoch über Rücken und Riet
Goldwaagen wiegen sie nicht im Anwehungsgebiet
Aus der Tapetenthür tritt die Kyffhäuser Verwandtschaft
Aufblitzt – indienwärts – die verfliegende Landschaft
Luftschloß im Wetterbaumpark und dergleichen Gewölbe
Schwinden weit über den Ebnen hinab bis zur Elbe
Treibt man im Urmeer jedoch – Salz- und Erdkohlen-Lehre –
Kann hier wie Gyps-Staub so leicht sein die Erdenschwere
Fabel fährt Schlittschuh auf schwarzer geronnener Zeit
Wer in die Tiefe will hat es nicht weit
Und mit Dolinen, mit Höhlen, mit Stollen und Schwinden
Wollen sich kreuzende Stimmen und Kufen verbinden
Unter der Sohle die Sole soll Himmels-Salz führen
Ewig soll Licht durch den Fundort der Trennung passieren
Dort auch bleib wach – Cosmometer – und miß das Entsetzen
Flattern und Fladern auf Totenheerstraßen und ‑plätzen
Unten ins feste Gefängnis gehn kosmische Schründe
Schweifsternstill auch die Erzscheibe schräg in Abgründe
Oben im Luftsattel selbst sieht der Bergmann die Ader
Meergrünen Kupfers – Salzgründe – Leichengeschwader
Doch all die Haufen – wo er auch schaut – alter Enden:
Greifbar ist hier e i n gemeinsamer Faden mit Händen!
Aber als Kohlenwaldrauch steigt er auf – in schnurstracksen
Schrägstrichen nur – und das Meer komme wieder nach Sachsen
Still wird die Zauberstadt – Flöz – und zum gläsernen Grab
Dort holt Sophia den Bergmann und Sternwärter ab
Erstgeboren im sonnedurchmessenden Mond
Hat er ein Neuland – weit inne – bewohnt
Immer nach Haus ging seine Geheimwärts-Gesandtschaft
Amtshauptmann wird wer gebraucht seine Landschaft
aus: Mitteldeutsche Gedichte, Mitteldeutscher Verlag, Halle/Saale 2010.
Mit freundlicher Genehmigung des Mitteldeutschen Verlages und des Autors.
Alle Rechte beim Mitteldeutschen Verlag.