Siegfried Nucke
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Es wird angerichtet. Die blassen Meister spitzen
Ihre Ohren: – Dem Kaiser träumte in der Oper,
Er sei Belsazar – Im Spiegelbild
Ein majestätisch Haupt. Dem Volk gewogen noch,
Noch nicht zu leicht befunden der öffentliche Schnitt.
Der ausrasierte Schädel formt sich. Doppelt
Der Kaiser
Sein eigener Barbier. Wie ein gebrochner
Penis pendelt sein Arm (sein Schwert, geknickte Lanze
Männertreu – ein schiefes Bild) aus überm Schopf. Und
Sein ziviler Freund (im Hintergrund) gibt sich
Genügsam. Schmächtiger Tiefsinn. Noch halten
Die Kirchenfenster an den Fronten
Sich bedeckt. Der Friedenskaiser kommt
Erst morgen: Helm ab
Zum Gebet. Die braven Zirkel drängt es
Aufzubrechen, souffliert der bleiche Herr. Auseinander
Treibt es. Das schöne Bild (Verquälter Unschuld)
Der bleiche Herr
Sieht zu. Sein Kaiser ein Barbier schert sich
Den Kopf (Dem Volk ein Vorbild). Dieweil:
Gefreitenväter
Disziplinieren ihre losen Schenkel. Die Scherenbeine
Schlagen aneinander.
Mißlich: Des Kaisers Hermelin fällt
Wie ein nasser Sack zur Erde. Das schöne Blut
Der andren darf sich noch nicht breiten.
(Der Ordnung halber) Geduld.
Es soll angerichtet werden.
Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Autors. Alle Rechte beim Autor.